Wilsdruffer Land
Gemeindebrief Herbst 2026
„Der Herr wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.” (Jesaja 2,4)
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,
Mitte August haben wir im Garten vom Haus der Stille und auf dem Weg zur Kirche einen kleinen Film für die Friedensdekade gedreht. „Peace and Pray“ heißt dieses Projekt, das – von drei Landeskirchen verantwortet – in der Friedensdekade kleine geistliche Impulse über die sozialen Medien verbreitet. Für die zehn Tage im November lautet das Motto in diesem Jahr „couragiert widerständig“. Die Hauptperson in unserem Film ist eine kleine Figur aus dem Haus der Stille: Vor Jahren hat ein Ehepaar dem Haus diese Holzfigur aus Litauen mitgebracht. Rupintojelis – „Einer, der sich sorgt“ – ist der litauische Name. Diese hölzernen Figuren unterschiedlicher Größe stehen im Baltikum oft am Wegrand, an der Straße, im Vorgarten. Für die Menschen dort ist der Rupintojelis auch ein Symbol des Widerstandes. Im Baltikum hat „die singende Revolution“ die Macht des Sowjetregimes gebrochen: Menschen im Baltikum bildeten durch alle drei Länder eine Menschenkette, von Süden nach Norden, von Litauen bis Estland, und sangen sich in die Freiheit.
Der Satz „Sie werden Schwerter zu Pflugscharen und Spieße zu Winzermessern schmieden“ ist in unseren Tagen ein wenig beschädigt. Dieses schöne Symbol des Schmieds mit der Umschrift „Schwerter zu Pflugscharen“ wird inzwischen von Parteien der unterschiedlichsten Couleur genutzt – und auch missbraucht. Ich mag daher dieses Bild des nachdenklichen, stillen Christus am Weg. Der Legende nach ist es eine Momentaufnahme zwischen Folter und Kreuzigung, ein Innehalten vor dem letzten Leidensweg: Christus am Weg, mit Dornenkrone, sitzend, sinnend, traurig betend, nachdenklich.
„Unsere“ Figur zeichnet sich durch besonders große Hände aus. Von der Haltung her meint man zunächst, es sei ein müder Mann, einer, der nichts mehr stemmt. Doch diese großen Hände weisen auf etwas anderes hin: Da sitzt einer, der sich sorgt, ein Kümmerer, einer, der bereit ist, etwas zu tun – anzupacken, zu tragen, zu heben. So wird er uns begleiten. Vielleicht auch manchmal ganz still am Wegesrand.
Herzlich grüßt aus dem Haus der Stille in Grumbach
- Gemeindebrief Herbst 2026 (PDF-Dokument, 10,8 MB)