Wilsdruffer Land
Gemeindebrief Frühling 2026
„Siehe, ich mache alles neu.“ (Jahreslosung 2026, Offenbarung 21,5)
Liebe Leserinnen und Leser,
zu der Zeit, da ich diese Zeilen schreibe, hat uns der Winter fest im Griff. Es herrscht Dauerfrost. Der Frühling liegt in weiter Ferne. Er wird sich einstellen, wenn die Zeit ran ist. Die Vorstellung, dass die Schöpfung einem wohlgeordneten System folgt, lässt sich in den biblischen Schriften finden. „Du hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet“, heißt es im Buch der Weisheit. In Reverenz an den Schöpfer ist kaum eine Zahl in der Heiligen Schrift zufällig. Sie haben immer auch eine symbolische Bedeutung. So sind auch die Feste des Kirchenjahres nach einer besonderen Zahlensymbolik geordnet. Zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag liegen 40 (Werk-)Tage. Die 40 ist das Produkt aus 4, der Zahl der irdischen Begrenztheit (4 Himmelsrichtungen, 4 Extremitäten des Menschen) und 10, der Zahl der menschlichen Verantwortung vor Gott (die 10 Gebote). So lässt sich das Fasten in der 40-tägigen Passionszeit als eine Annäherung des Menschen an Gott verstehen. Nach Ostern dauert es weitere 40 Tage bis Himmelfahrt – eine erneute Zeit der menschlichen Reifung im Osterglauben. 10 Tage später feiern wir Pfingsten. Dank des Heiligen Geistes wird die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus an die Jünger weitergegeben. Diese beiden Hände voll Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wirkten auf die Jünger wie eine Ewigkeit. Kein Osterfeuer, kein Engelwort, kein Abschiedswort Jesu hatte sie aus ihrer Lethargie reißen können. Verschüchtert warteten und trauerten sie hinter verschlossenen Türen mit wunder Seele und vager Hoffnung. Kirche eben – schon damals. Eine Erfahrung, die wir kennen: Gemeindekreise stagnieren und überaltern, Angebote, die kaum wahrgenommen werden. „Komm, Heiliger Geist, mit deiner Kraft“ – der alte Ruf der Kirche. Wir kommen nicht zurecht, wir atmen nicht auf ohne ihn.
„Komm“, ruft einer, der einen Mangel spürt. Und Gott hört. Nach einer Reifezeit und zwei Hände voll Zeit dazu, am 50. Tag nach der Auferstehung, tut sich der Himmel auf, bricht die Klagemauer und der Sorgenwall. Die 50 ist ein Symbol für gottgewollte Einheit. Jesus begeistert seine Kirche und bläst der Welt einen Atem ein, der frisch ist, wie ein Frühlingsmorgen.
Und ich und du? Wir wurden übergossen mit dem Wasser der Taufe. Über uns wurde ein Wort gesagt, unauslöschlich: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jesaja 43,1)
Komm, lockt der Heilige Geist, komm! Es ist Zeit. Draußen ist Tag. Draußen ist Licht. Lass sehen. Lass hören. Lass leben. Andere brauchen ein gutes Wort, eine helfende Hand, ein gütiges Herz. Du gewinnst, wenn du gibst.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und Geleit durch das Frühjahr.
- Gemeindebrief Frühling 2026 (PDF-Dokument, 531,6 kB)