Geistliches Wort zum Sonntag Lätare 22.03.2020 von Pf. Weinhold

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Geistliches Wort für Sonntag, den 22. März 2020
4. Sonntag der Passionszeit - Lätare

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Joh 12,24

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

in der vergangenen Woche gab es einige Tage mit sehr schönem Wetter. Die Sonne schien. Es war angenehm warm. Überall begann es zu grünen und zu blühen. Vögel zwitscherten, Insekten summten. Die ersten Traktoren zogen mit ihren Pflügen Ackerfurchen - schöne Frühlingstage.

Normalerweise sind solche schönen Tage Grund zur Freude. Solche Tage tun Menschen gut.

Dieses Jahr ist das anders. Ein Schatten liegt über dem sich ankündigenden Frühling. Menschen sind in Sorge. Menschen haben Angst. Ein Virus breitet sich aus. Menschen fühlen sich der sich ausbreitenden Gefahr ausgeliefert. Schutzmaßnahmen werden ergriffen. Sie reichen weit ins gewohnte persönliche Leben hinein. Das öffentliche und private Leben wird eingeschränkt. Die Sorgen um die Gesundheit nehmen zu. Menschen haben Angst um ihre berufliche Zukunft.

In diese derzeit andere Frühlingszeit fällt der heutige Sonntag „Lätare“ mit seinem biblischen Wort vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und erstirbt, um große Frucht zu bringen. Es wird gesät in der Hoffnung, dass daraus eine große Ernte wird.

Dieses Bild für sich genommen ist leicht auf verschiedene Lebensbereiche zu übertragen. Manche Menschen haben dabei gute Erfahrungen gemacht.

Kinder und Jugendliche dürfen oder müssen Kraft und Zeit in ihr schulisches Lernen investieren. Zur Zeit tun sie dieses zu Hause. Zeit für anderes wird eingeschränkt und für das Lernen gegeben. Ich wünsche jedem, dass dieses Einschränken für das Lernen spürbare Früchte trägt.

Menschen nehmen sich eine große Aufgabe vor und beginnen ein Haus für sich und die Familie zu bauen. Das kostet viel Zeit, Geld und Kraft. Wer baut, muss sich einschränken. Ich wünsche jedem, dass dieses Einschränken spürbare Früchte trägt.

Derzeit wird das öffentliche und private Leben stark eingeschränkt. Es fällt nicht leicht, Liebgewordenes auszusetzen. Getragen sind die Maßnahmen von der Hoffnung, dass sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt. Ich wünsche uns allen, dass die Einschränkungen die erhofften Früchte tragen.

Wir sind in der Passionszeit. Das Osterfest in drei Wochen wird dieses Jahr anders sein als gewohnt. Aus heutiger Sicht werden keine Ostergottesdienste gefeiert werden können. Der heutige Sonntag „Lätare“ gilt als kleines Osterfest mitten in der Passionszeit. Von Karfreitag und Ostern her ist das oben genannte biblische Wort des heutigen Sonntages zu lesen.

In der Passionszeit denken Christinnen und Christen an den Leidensweg Jesu. Der Leidensweg Jesu findet seinen Höhepunkt am Kreuz auf Golgatha. Jesus gibt sich und sein Leben hin für uns Menschen. Er ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt und erstirbt. Er schränkt im übertragenen Sinn sein Leben bis zum Letzten ein.

Christlicher Glaube ist österlicher Glaube. Christinnen und Christen glauben die Auferstehung Jesu am Ostermorgen. Sie glauben, dass sein Sterben Frucht bringt. Jesu Sterben bringt uns Menschen neues Leben und ermöglicht neues Leben aus Gott.

Leben in großer äußerlicher Fülle ist in diesen Tagen eingeschränkt. Ausgelassene Freude ist schwer - für manche Menschen unmöglich geworden. Aber vielleicht ermöglicht der Blick am heutigen Sonntag - am kleinen Osterfest - das Sehen auf das große Osterfest. Das große Osterfest vermag Trost und Freude zu schenken, auch wenn Dunkelheit droht, sich über alles zu leben.

Der Finsternis von Karfreitag folgt das Licht von Ostern. Möge das Licht von Ostern uns entgegenscheinen. Das wünsche ich uns allen.

Ihr Pfarrer Matthias Weinhold