Geistliches Wort zum Sonntag Judika 29.03.2020 von Pf. Geisler

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Geistliches Wort zum Sonntag Judika von Pf. Volker Geisler

Wochenspruch für die Woche vom 29. März – 4. April
Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.  Matthäus 20,28

Liebe Besucher und Besucherinnen unserer Webseite,
liebe Schwestern und Brüder,

hinter uns liegt die erste Woche, in der wir lernen mussten, mit den erheblichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens klar zu kommen. Dem Himmel sei Dank, die Sonne hat uns verwöhnt. Allein oder paarweise sind viele der Verlockung gefolgt. Das hat gutgetan, auch wenn das „sich aus dem Wege gehen“ komisch anfühlt. Die Sorge, in eine wirtschaftliche und finanzielle Schieflage zu geraten, beschwert zunehmend die eigenen Gedanken. Verständlicherweise wollen wir im Leben mehr Verlässlichkeit, als ein auf „Sicht fahren“ ermöglicht. Das spürten auch die Jünger, als Jesus auf den Weg seiner Passion einbog. Einen starken Herrn, einen, der das Ruder rumreißt, war ihre Erwartungen. Jesus enttäuscht sie. Was er sie jedoch hören und sehen lässt, gibt ihnen zu denken. Von Ostern her - mit der Erfahrung, dass Jesus auferstanden ist, wird seine Hingabe zum Wegweiser ihres zukünftigen Lebens als Apostel.

Mit dem 5. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Judika, zieht sich der Lobpreis in der Ordnung unseres lutherischen Gottesdienstes noch weiter zurück.  Das Evangelium (Markus 10) erzählt vom Rangstreit unter den Jüngern. Jakobus und Johannes beanspruchen die himmlischen Plätze links und rechts von Jesus. Der antwortet darauf mit einem Karrieremuster, das die Dinge auf den Kopf stellt. Er sagt: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein: und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.  Jesus selbst zieht die Spur, in die unser Handeln einmünden soll. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich diene lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Jesus redet vom Dienen. Das klingt heute altbacken. Einen Diener machen lehrt keine Benimmschule mehr. Manchmal sagt noch einer: „Ich bin bedient!“ und winkt ab. Oder: „Das habe ich nicht verdient!“ und wehrt sich wortgewandt.

Das griechische Wort, das die Lutherbibel mit „dienen“ übersetzt, lautet „diakonein“. In seiner ursprünglichen Bedeutung meint es den Tischdienst. Ein Gastgeber, der seine Gäste mit Speisen und Getränken bedient. Mit einer wohligen Atmosphäre sorgt er für Geselligkeit und Lebensfreude in der Gemeinschaft mit anderen. Eine schöne Erfahrung, ein inspirierendes Bild, von dem her die anderen Formen und Ausdrucksweisen des „Dienens“ sich leiten lassen sollten. Menschen miteinander verbinden, Kommunikation ermöglichen, gegenseitigen Austausch fördern, keinen übersehen oder übergehen, sondern alle mitnehmen ist eine Aufgabe, um die man sich verdient machen kann.  Das dabei auch Phantasie und Kreativität gefragt ist, wird uns in diesen Tagen bewusst.

Alle Einschränkungen und Verbote, denen wir momentan unterliegen, sollen dem Schutz von Menschen dienen.  Es hat ein wenig gedauert, bis das verstanden und akzeptiert wurde. Relativ schnell aber haben viele begriffen, dass sie aufeinander achten und mit kleinen Diensten sich einander helfen können. Es gibt darüber Erstaunliches zu berichten. Von Menschen, die sich für andere einsetzen, ohne sich dabei selbst in den Vordergrund zu rücken, geschweige denn einen Vorteil daraus zu ziehen. Menschen, die im Geiste Jesu handeln, auch wenn ihnen das vielleicht gar nicht bewusst ist. Sie tun den ein oder anderen kleinen Dienst, der Mut macht und beim Durchhalten hilft.

Als Gemeinde Jesu sind wir in der neuen Woche wieder im Gebet miteinander verbunden. Die Fürbitte ist ein Dienst, den Jesus uns aufgetragen hat. Sich mit anderen Betern an Tag und Stunde verbunden zu wissen, weckt das starke Gefühl von Zuversicht. Dazu dienen uns die Glocken, die am Sonntag wieder läuten und uns zum Gebet rufen.  Gottes Segen geleite Sie durch diese Woche!

In herzlicher Verbundenheit Ihr Pfarrer Volker Geisler

Gebet

Barmherziger Gott, ich danke dir für das Licht dieses neuen Tages.
Lass mich bereit sein, dir zu dienen.
Gib mir Kraft für die Aufgaben, die mir gestellt sind.
Gib mir Geduld in allen Einschränkungen die mein Leben momentan erfährt.
Gib mir Aufmerksamkeit gegenüber den Menschen, die mir begegnen.
Lass alle, die sich um das Wohl und die Gesundheit anderer kümmern, erfahren, dass du ihnen nahe bist.
Lass uns in deiner Liebe bleiben.
Amen